Therapie

Woher wissen Ärzte eigentlich, wie sie eine Erkrankung am besten behandeln? Ist doch klar: Sie haben dafür Medizin studiert und eine Facharztausbildung gemacht. Doch die Entwicklung in der Medizin ist rasant. Können da alle immer am Ball bleiben?

Um die Qualität der medizinischen Versorgung auf einem gleichhohen Niveau zu sichern, egal wo ein Patient sich in Deutschland in Behandlung begibt, beschloss die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) vor 20 Jahren, medizinische Leitlinien zu entwickeln. Diese Leitlinien sollten außerdem sicherstellen, dass Patienten nur mit Methoden untersucht oder behandelt werden, für die ein gesicherter Nachweis der Wirksamkeit, also ihrer Evidenz, vorliegt.

Seither fasst die AWMF zu bestimmten Gesundheitsproblemen die jeweils wichtigsten „evidenzbasierten“ Aussagen zu Leitlinien zusammen. Dabei wird der aktuelle Wissensstand zu Vorbeugung, Diagnostik, Behandlung und Nachsorge einer Erkrankung dargestellt, um es Ärzten zu erleichtern, ihren Patienten die jeweils beste Empfehlung geben zu können. Um den aktuellen Stand des medizinischen Wissens abzubilden und den medizinischen Fortschritt zu berücksichtigen, werden die Leitlinien regelmäßig überprüft und fortgeschrieben.

Für den Bereich der Onkologie hat die AWMF im Jahr 2008 gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe ein spezielles Programm ins Leben gerufen, um die Entwicklung und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien in diesem Bereich besonders zu fördern und zu unter stützen. Außerdem wurde beschlossen, parallel zu den medizinischen Leitlinien auch sogenannte Patientenleitlinien zu erstellen, die speziell auf die Informationsbedürfnisse der Betroffenen ausgerichtet sind.

Seit Beginn des Leitlinienprogramms im Jahr 1995 wurde viel bewegt: ca. 700 Publikationen befinden sich heute im Leitlinienregister der AWMF – 131 davon erfüllen die Kriterien der höchsten Evidenzklasse S3, darunter 14 Leitlinien zu onkologischen Themen. Zu zehn der onkologischen Leitlinien gibt es auch eine Patientenleitlinie. 15 weitere onkologische Leitlinien befinden sich zurzeit in der Entwicklung.

Behandlungsleitlinie:

Behandlungsleitlinien sind systematisch entwickelte Aussagen, die den gegenwärtigen medizinischen Erkenntnisstand wiedergeben sollen. Der Begriff „Leitlinie“ unterliegt keiner Normierung, weshalb sie von sehr unterschiedlicher Qualität sein können. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat daher ein System entwickelt, nach dem Leitlinien in drei Entwicklungsstufen von S1 bis S3 klassifiziert werden, wobei S3 die höchste Qualitätsstufe darstellt. Bei den innerhalb des Leitlinienprogramms Onkologie erarbeiteten Leitlinien handelt es sich immer um S3-Leitlinien.

Alle onkologischen Leitlinien findet ihr im Internet unter:
http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Leitlinien.7.0.html*

Alle Patientenleitlinien findet ihr hier:
http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Patientenleitlinien.8.0.html*

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Quelle: Caroline Mohr, 20 Jahre medizinische Leitlinien in Deutschland, Perspektive 03/2015, S.7